Entzifferungsprojekt: Die Elamische Strichschrift (2200 v.Chr.)

Die elamische Strichschrift, oder Linear, mit der wahrscheinlich die Isolatsprache Elamisch abgebildet wurde, ist eines der ältesten unentzifferten Schriftsysteme der Welt. Kürzlich wurden im Iran neue Inschriften gefunden, die den bisherigen Textbestand nahezu verdoppeln und es somit erlauben, den Entzifferungsversuch von Hinz (1962) wiederaufzunehmen. Das Entzifferungsprojekt erfolgt in Zusammenarbeit mit der Universität Hamedan, Iran.

Die Inschrift MAHB Y in der digitalisierten Inschriftensammlung
Die Inschrift MAHB Y in der digitalisierten Inschriftensammlung

 

Folgende Arbeiten wurden bisher durchgeführt:

  • Erstellen von Abzeichnungen der Inschriften anhand von Fotografien oder Originalen
  • Zählen, Digitalisieren und Katalogisieren der Zeichen
  • Erstellen der Unicode-Schrift „Elamicon
  • Erstellen des Webtools „Elamicon“ mit dynamischem Syllabar und Regex-Suchfunktionen. Das Webtool ist öffentlich, auch Laien sind dazu eingeladen, Auffälligkeiten, übereinstimmende Sequenzen usw. zu suchen und so beim Projekt mitzuwirken.


Folgende Arbeiten werden künftig durchgeführt:

  • Suchen von AA- AXA-, AXAX- und AXYA-Sequenzen und Abgleich mit einem digitalisierten Korpus der elamischen Keilschrifttexte
  • Statistik, Wortgrenzenprobabilitäten
  • Prüfung auf Zipfsches Frequenzklassengesetz und Pareto-Verteilung
  • Allenfalls Zuordnung von Lautwerten, z.B. aus elamischen Eigennamen und Suffixen

 

Team: Michael Mäder, Nicolai Rawyler, Simon Plachtzik, Stephan Balmer, Laura Higson, Lucy Wren, Mathias Zust, Fabienne Welte, Zilta Velankanny, Melanie Carafa

Kontakt: Michael Mäder, http://elamicon.org/


Vorträge und Publikationen

"Some new Linear Elamite Inscriptions" -- Konferenzvortrag am Berner Altorientalischen Forum  BAF (Schweizerische Gesellschaft für orientalische Altertumswissenschaft SGOA) 24. - 25. Juni 2016.

"Linear Elamite: Digitalizing the Corpus and Establishing a Syllabary" -- Vortrag an der Konferenz "Elam and it's Neighbors" (Universität Mainz), 21-24. September 2016.

Mäder, M.; Balmer, S.; Plachtzik, S.; Rawyler, N. (demnächst): "Zwei neue Inschriften in elamischer Strichschrift: Analyse und Sequenzabgleich", in: Proceedings of the international Congress on "Elam and it's Neighbors", 21-24. September 2016. Mainz.

 

Bilder

Foto und Abzeichnung der Inschrift PHOE A
Abzeichnung der Inschrift PHOE A
Foto und Abzeichnung der Inschrift PHOE A´.


 

Ausschnitt Webtool
Mit dem Elamicon-Webtool ist das elektronische Suchen nach gleichen und ähnlichen Sequenzen sowie das Durchführen von Regex-Suchen und n-gram-Analysen („Nachbarschafts-Analysen“) möglich. Kernstück ist das hier abgebildete dynamische Syllabar: Da noch nicht bekannt ist, welche Zeichen mit anderen gleichzusetzen sind und welche einen eigenständigen Lautwert haben, kann der Forscher die Zeichen laufend neu gruppieren und dieselbe Sequenzsuche wiederholt durchführen.


 

Zusammenstellung der bisher bisher bekannten Lautwerte
Links oben: Zusammenstellung der bisher bekannten Lautwerte. Aufgrund der zweisprachigen Inschrift SUSA A sind die meisten davon bereits seit 1905 bekannt. Links unten: Übereinstimmende Sequenz in PERS Q und PHOE A´: Das Determinativ NAP zeigt, dass es sich um einen Götternamen handeln dürfte – vielleicht den der Göttin Naride, die zusammen mit der Inschrift Pers Q (links und rechts von ihrem Kopf) abgebildet ist? © der Fotografie: Walther Hinz, Altiranische Funde und Forschungen, 1969:2


 

Abzeichnen von Y
Das Abzeichnen von Inschriften ist ein mehrstufiger Prozess. Es darf nur soviel interpretiert werden, dass keine Informationen verlorengehen.


 

Abzeichnen von MAHB Z
Studenten des Instituts für Sprachwissenschaft beim Abzeichnen der Inschrift Z, die auf eine 19 cm hohe Silbervase (Iran, ca. 2000 v. Chr.) gestanzt ist. Es ist mit 156 Zeichen der bisher längste Text in elamischer Strichschrift.


 

Bild PHOE W
Detailaufnahme der Inschrift PHOE W. Zurzeit besteht allerdings der Verdacht, diese Kanne aus Silber könnte gefälscht sein.
Die Abzeichnung des Fragments MAHB H
Die Abzeichnung des Fragments MAHB H