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Institut für Sprachwissenschaft

Titelbild

Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch

Projekttitel Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch
LeitungProf. Dr. I. Werlen
Kuratorium
  • Prof. Dr. Walter Haas (Freiburg)
  • Dr. Wulf Müller (Neuchâtel)
  • Prof. Dr. I. Werlen (Bern, Präsident)
  • Hans-Robert Ammann (Kantonsarchivar)
  • Herbert Imoberdorf (Kantonsgeometer)
MitarbeiterInnen
  • Anne-Lore Bregy, lic. phil.
  • René Pfammatter
  • Gabriela Schmid, lic. phil.
Finanzierung Loterie Romande, Institut für Sprachwissenschaft der Universität Bern, Geschichtsforschender Verein Oberwallis und Private
Nationalfonds 1114-063787:
1. Sept. 2001 - 30. Sept. 2002
Nationalfonds 1113-67804:
1. Okt. 2002 - 30. Sept. 2004
Nationalfonds 101211-103561:
1. Okt. 2004 - 30. Sept. 2005
Nationalfonds 101211-109641:
1. Okt. 2005 - 30. Sept. 2007
Nationalfonds 101211-116307:
1. Okt. 2007 - 30. Nov. 2010
Laufzeit Seit 1.9. 1996
Ansprechpartner René Pfammatter
Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch
Alte Simplonstrasse 39
CH-3900 Brig-Glis

Tel. 027 923 29 72

Projektzusammenfassung

Geschichte der Oberwalliser Orts- und Flurnamensammlung

Am 29. Dezember 1969 konstituierte sich in Bern ein Patronatskomitee bestehend aus den Herren Prof. Dr. Eduard Studer (Uni Freiburg, Vorsitz), Prof. Dr. Paul Zinsli (Uni Bern), Dr. Anton Gattlen (Kantonsbibliothekar, Sitten), Dr. Josef Guntern (Chef des Kantonalen Mittelschulamtes, Sitten) und Theodor Werlen (Kantonsgeometer, Sitten), das einen Arbeitsplan für eine Orts- und Flurnamensammlung des Oberwallis entwarf mit dem Ziel eines künftigen Oberwalliser Namenbuches. Am 24. März 1970 reichte Prof. Dr. E. Studer als Vorsitzender ein erstes Gesuch (Nr. 1.313.70 SR) beim Nationalfonds für drei Jahre ein. Herr Prof. Markus Seeberger, Gymnasiallehrer in Brig, wurde dabei als Explorator vorgeschlagen, der die Sammlung der Orts- und Flurnamen im Gelände durchführen sollte. Ein Fortsetzungsgesuch (1.910.73) für zwei Jahre wurde 1974 eingereicht; es sah vor allem die Erhebung der historischen Belege aus den Oberwalliser Gemeinde-, Pfarrei-, und Privatarchiven vor. Ein drittes Gesuch (1.379-0.76) folgte 1976. Der Kanton Wallis beteiligte sich an allen drei Gesuchen durch die Bereitstellung von Räumen und die Entpflichtung des Explorators von Stunden am Kollegium Spiritus Sanctus in Brig, sowie durch die Kosten einer halben Sekretariatsstelle. Ein viertes Gesuch vom 29. September 1982 wurde vom Nationalfonds abgelehnt. Danach führte Prof. Seeberger die Aufbereitung der Kartothek auf freiwilliger Basis weiter. Die lebenden und historischen Namen sind heute auf Karteizetteln erfasst und nach Gemeinden und Bezirken geordnet. Das Patronatskomitee beschloss in einer Sitzung vom 17. April 1989 die Publikation der Materialien nach Bezirken und Gemeinden; die Arbeit für einen Kommentarband wurde auf später verschoben.

1991 setzte sich Prof. I. Werlen mit Herrn Seeberger in Verbindung. Es wurde beschlossen, die Orts- und Flurnamensammlung im Sinne des Patronatskomitees weiterzuführen. Da einerseits Prof. Studer verstorben und anderseits Prof. Zinsli aus Altersgründen nicht mehr zur Mitarbeit bereit war, konstituierte sich ein neues Kuratorium mit den folgenden Mitgliedern: Prof. Walter Haas (Uni Freiburg), Prof. R. Ramseyer (Uni Bern), Dr. Josef Guntern (alt Chef Mittelschulamt, Sitten), Gaston Michlig (Kantonsgeometer, Sitten), Prof. I. Werlen (Uni Bern, Vorsitzender), das 1996 auch vom Walliser Staatsrat gewählt wurde. Dr. Wulf Müller, Mitarbeiter am Glossaire des patois de la Suisse romande, sicherte seine Unterstützung für den Bereich der romanischen Ortsnamen zu. 2005 wurde das Kuratorium neu bestellt. Es besteht nun aus den Herren Hans-Robert Ammann, Walter Haas, Herbert Imoberdorf, Wulf Müller und Iwar Werlen. Die bestehende Zettelsammlung wurde im August 1993 in das Büro des Universitären Forschungszentrums für Mehrsprachigkeit (UFM) in Brig-Glis überführt und steht dort heute Benützerinnen und Benützern zur Verfügung. Seit 1966 haben verschiedene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den Zettelkattalog in die Datenbank eingegeben. Seit 1999 wird die Deutung der Namen vom Nationalfonds unterstützt. Heute arbeiten zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und ein Hilfsassistent an der Redaktionsarbeit mit. Die Datenbank soll die Herstellung einer druckreifen Vorlage für die Publikation der Namen nach Bezirken und Gemeinden ermöglichen. Der Rotten-Verlag (Brig-Glis) hat sich bereit erklärt, die Publikation zu übernehmen.

Zur Bedeutung der Oberwalliser Orts- und Flurnamensammlung

In der westlichen deutschen Schweiz hat die Berner Orts- und Flurnamensammlung, gegründet von Prof. Dr. Paul Zinsli, später weitergeführt von seinem Schüler Prof. Dr. P. Glatthard, die Sammlung der historischen und lebenden Namen vor allem im Kanton Bern vorangetrieben. Herr Zinsli war sich aber immer bewusst, dass die Namen des Oberwallis in engem historischen Zusammenhang stehen zu den Namen des Berner Oberlandes einerseits und den Namen der Südwalser anderseits, denen er ein eigenes Buch gewidmet hat. Die Oberwalliser Orts- und Flurnamensammlung bietet so die notwendige Ergänzung zum Berner Unternehmen, aber auch zu den Orts- und Flurnamenbüchern der Innerschweiz, insbesondere des Urner Namenbuches.

Neben dieser Bedeutung für die westliche deutsche Schweiz hat das Oberwalliser Orts- und Flurnamenbuch auch eine wichtige Bedeutung für das Wallis. Man nimmt ja heute an, dass die alemannische Besiedlung des Oberwallis etwa im 9. Jahrhundert begann und dass der Zehnden Leuk erst etwa im 15. Jahrhundert germanisiert wurde. Die Orts- und Flurnamen widerspiegeln diesen Siedlungs-prozess - sie sind deswegen für die ältere und neuere Geschichte des Oberwallis von grundlegender Bedeutung. Das gilt auch für die ortsgeschichtliche Forschung. In manchen Besitzernamen sind alte, ausgestorbene Geschlechternamen enthalten, Namen können frühere Bewirtschaftungsformen aufbewahren und die Veränderung der Namenlandschaft in neuerer Zeit kann Veränderungen der Bevölkerungszusammensetzung, der Landschaftsnutzung und der Sichtweise der Landschaft widerspiegeln. Hier kann sich von seiten der Oberwalliser Orts- und Flurnamensammlung eine fruchtbare Zusammenarbeit auch mit lokalen Unternehmungen ergeben. Schliesslich bieten die aus den Archiven erhobenen historischen Namen die Möglichkeit, die Veränderungen von Namenlandschaften zu erkunden.

Die Form der Datenbank ermöglicht es, eine grosse Zahl von Kombinationen von Auswertungen zu verbinden. Die Forscherinnen und Forscher sind nicht mehr darauf angewiesen, mühsam Karteikarten aus Dutzenden Gemeinden miteinander zu vergleichen; sie finden vielmehr über die Datenbank gleiche und ähnliche Namen in allen Gemeinden des Oberwallis, sie können Typen von Namen und Zusammensetzungen vergleichen und erhalten daraus neue Fragestellungen zur Namenbildung, Namenlandschaft und zum Namengebrauch.

Viele ältere Namensbestände sind bis heute nicht zufriedenstellend etymologisiert. Für keltische und vorkeltische Etyma gibt es beinahe nur die Deutungen des bekannten Namenforschers Johannes Hubschmied, die im Lichte der heutigen Forschung nicht immer zu bestehen vermögen. Hier wird noch ein grosses Feld der historischen und etymologischen Bearbeitung liegen.

Publikationen

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