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Institut für Sprachwissenschaft

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Der griechische Lehnwortschatz im Georgischen

Thema Der griechische Lehnwortschatz im Georgischen
Projektleiter Prof. Roland Bielmeier (Bern)
Mitarbeiter Renato Piva, lic. phil.

Das Georgische ist eine südkaukasische Sprache mit ca. 3 Mio. Sprechern. Es kennt seit der Bekehrung zum Christentum im 5. Jh. eine reichhaltige, schriftlich überlieferte Literatur, die, bedingt durch die politischen und religiösen Geschicke Georgiens, stark durch andere Kulturen und Sprachen beeinflusst ist. Im Vordergrund stehen das Griechische, das Armenische, verschiedene iranische und semitische Sprachen, gewisse Türksprachen u.a.m. Während zu den Iranismen im Georgischen bereits eine Reihe von Arbeiten vorliegen, ist der grosse griechische Lehnwortschatz noch nie Gegenstand einer umfassenden Untersuchung gewesen. Im laufenden Projekt wird das griechische Lehnmaterial im Georgischen zunächst anhand des neugeorgischen Wortschatzes identifiziert, gesammelt und ausgewertet, wie er vor allem in den Standardlexika erfasst ist, allen voran natürlich in dem achtbändigen erläuternden Wörterbuch der georgischen Sprache (Tbilisi 1950-1964). Allerdings werden die vielen Internationalismen, die aus dem Kontakt mit dem Russischen und den westeuropäischen Sprachen während der letzten 150 Jahre herrühren, nicht berücksichtigt. Soweit möglich werden aber auch altgeorgische schriftliche Quellen der christlich-georgischen Literatur ausgewertet. Hier wird die Selektion vom Umstand bestimmt, dass viele der ältesten Texte weder philologisch bearbeitet noch in gedruckter oder gar computerisierter Form zugänglich sind. Deshalb kommen aus dem altgeorgischen Material vor allem die in einschlägigen Lexika bereits erfassten griechischen Entlehnungen aus vielfach unpublizierten Handschriften hinzu. An erster Stelle ist das Lexikon der altgeorgischen Sprache von I. Abuladze (Tbilisi 1973) zu nennen, neuerdings aber auch das Ergänzungswerk von S. Shardsweladse (Tbilisi 1995) sowie das altgeorgisch-deutsche Wörterbuch von S. Sardshweladse und H. Fähnrich (Hamburg 1999). Von grosser Wichtigkeit ist aber auch das grosse Georgisch-Georgisch-Wörterbuch von Sulchan-Saba Orbeliani (verfasst kurz nach 1700, ersmals publiziert 1928), das noch nie systematisch bearbeitet worden ist. Nach der Identifikation des griechischen Belegs erfolgt in der Regel dessen Bestimmung innerhalb der georgischen Sprachgeschichte. Allerdings liegt nur im Falle des Armenischen dank den Arbeiten von H. Hübschmann und C. Brockelmann eine auch für unser Anliegen direkt verwertbare Grundlage vor. Durch dieses Verfahren soll versucht werden, den genauen Entlehnungsweg wenigstens eines Teils der griechischen Wörter im Georgischen herauszufinden. Schliesslich wird auch das griechische Modell anhand von lauthistorischen, z.T. auch philologischen Kriterien nach Möglichkeit auch innerhalb der griechischen Sprachgeschichte eingeordnet. Dies kann z.B. dazu beitragen, gelehrte von volkstümlichen Entlehnungen zu scheiden. Das Ziel des Projekts besteht deshalb nicht nur in der Aufdeckung des griechischen Wortschatzes im Georgischen und seiner Einordnung in die georgische Sprachgeschichte im Zusammenhang mit Lehnwortschatzschichten aus anderen Sprachen, sondern will auch zur Erhellung der «dunklen Jahrhunderte» der mittelalterlichen griechischen Sprachgeschichte beitragen.

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